Geopolitische Spannungen, darunter Russlands Invasion der Ukraine und Spannungen im indopazifischen Raum, führen zu einem neuen globalen Superzyklus im Verteidigungsbereich. Die europäischen Verteidigungshaushalte werden von 2023 bis 2035 jährlich um 6,1% wachsen und damit stärker als die der USA (1,7%), Russlands (3,2%) und Chinas (3,1%), da Europa jahrzehntelang zu wenig investiert hat und eine größere Autonomie gegenüber den USA anstrebt.
Der Anteil Europas an den weltweiten Verteidigungsausgaben wird den Prognosen zufolge bis 2029 von 16% auf 21% steigen und sich bis 2035 stabilisieren. Die USA, die ihre Verteidigungsausgaben seit 2017 kontinuierlich erhöht haben, werden ihren Haushalt den Projektionen zufolge im Einklang mit dem BIP erhöhen und bis 2035 einen Anteil von 3,3% erreichen, der gegenüber 3,5% im Jahr 2024 leicht zurückgeht. Mittelfristig werden beide Regionen den Schwerpunkt auf Munition und Standardausrüstung legen, um den kurzfristigen Bedarf zu decken.
Langfristiges Potenzial für Saab, Leonardo und Rheinmetall
Während dieser Trend alle europäischen Rüstungsunternehmen unterstützt, sind unsere Top-Picks Rheinmetall RHM, Saab SAAB B, und Leonardo LDO. Rheinmetall ist ein klarer Nutznießer, da Deutschland die Ausgabensteigerung vorantreibt und Rheinmetall eine starke Position bei Munition, Landfahrzeugen und Luftverteidigung hat. Saab ist gut positioniert, um aus der wachsenden strategischen Bedeutung der Verteidigung in den nordischen und baltischen Staaten und seinem Engagement in der deutschen Verteidigung Kapital zu schlagen und eine wichtigere Rolle in der Region einzunehmen.
Leonardo wird nicht nur von einer Erhöhung der europäischen Verteidigungsausgaben profitieren, insbesondere im Bereich der Elektronik und seines Landfahrzeug-Joint-Ventures mit Rheinmetall, sondern auch, wenn Europa einen Haushaltszuschuss für Verteidigung einführt. Italien und Spanien würden angesichts ihrer makroökonomischen Aussichten andernfalls Schwierigkeiten haben, selbst das BIP-Ziel von 2 % bis 2029 zu erreichen.
Infolgedessen haben wir die Fair Value-Schätzung von Rheinmetall auf 1.310 Euro, die von Saab auf 371 Kronen und die von Leonardo auf 42,40 Euro angehoben.
Trumps 5%-Ziel unrealistisch
Donald Trumps Aufforderung an Europa, die Verteidigungsausgaben auf 5% des BIP zu erhöhen, ist unrealistisch und würde zu erheblichen Steuererhöhungen oder einer beträchtlichen Ausweitung der Schulden zwingen. Die europäische Verteidigungsindustrie kann nicht schnell genug wachsen und braucht mindestens ein Jahrzehnt, um dieses Niveau zu erreichen. 5% sind jedoch möglicherweise nicht notwendig, wenn Europa gemeinsam in gemeinsame Militärprogramme investiert, Ineffizienzen reduziert und die Kosten pro Plattform senkt.
Wir glauben, dass ein Ziel von 3,1% bis 2029 machbar ist, wenn es strategisch strukturiert ist und sich auf die europäische Produktion sowie Forschung und Entwicklung konzentriert. Die Schuldenfinanzierung könnte dieses Wachstum unterstützen, und eine vorübergehende Befreiung der Verteidigungsausgaben von der Defizitgrenze von 3% des BIP würde eine rasche Expansion ermöglichen, ohne die Haushaltsregeln zu verletzen, indem die Kosten über die Zeit verteilt werden, anstatt sofortige Steuererhöhungen oder Haushaltskürzungen zu erfordern. Unser Global Defense Industry Landscape-Report unterstreicht, dass höhere Verteidigungsausgaben auch das Wirtschaftswachstum fördern können, insbesondere dann, wenn sie auf inländische Produktion und Innovation statt auf Importe und Beschaffung von der Stange ausgerichtet sind.
Derzeit kommen über 60% der europäischen Verteidigungsimporte aus den USA, wobei ein Großteil des Budgets für Standardausrüstung ausgegeben wird. Wenn Europa der lokalen Forschung und Entwicklung sowie der Produktion Vorrang einräumt, könnte es nicht nur seine strategische Autonomie stärken, sondern auch die Schaffung von Arbeitsplätzen und die angrenzenden Industrien in der gesamten Lieferkette des Verteidigungssektors fördern.
Zusammengestellt von Johanna Englundh.
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