Die Verhängung von 20%igen Zöllen auf europäische Waren und Dienstleistungen durch Präsident Trump hat sich am Donnerstag unmittelbar auf die europäischen Aktiensektoren ausgewirkt.
Finanzdienstleister gehörten zu den am stärksten betroffenen Titeln, ebenso wie Unternehmen, die in Schwellenländern engagiert sind, wie Luxus- und Bekleidungswerte - so schlossen Adidas und Puma mehr als 11 % im Minus. Hintergrund sind deutlich härtere Zölle für asiatische Länder wie Vietnam, Thailand und Pakistan, die Teil der globalen Lieferkette sind.
Der Stoxx Europe 600 Index gab am späten Donnerstag um mehr als 2% nach, nachdem er über Nacht in Asien gefallen war. Der S&P 500 Benchmark brach im frühen New Yorker Handel um mehr als 3% ein.
Luxusaktien und Banken verlieren
Da der US-Umsatz 30 % des weltweiten Umsatzes des Luxussektors ausmacht, kam es zu einem sofortigen Ausverkauf bei wichtigen Aktien wie LVMH, Pandora, Essilor Luxottica und Burberry. Laut Jelena Sokolova, Aktienanalystin bei Morningstar ist bisher keine Rede davon, dass Luxusunternehmen ihre Produktion in die USA verlagern, was die Auswirkungen der Zölle möglicherweise abmildern könnte. “Die europäische Produktion ist Teil der Marke”, sagte sie. Während Luxusunternehmen über eine starke Preissetzungsmacht verfügen und die Kunden global sind, macht sie sich mehr Sorgen über die Auswirkungen der Zölle auf das Wirtschaftswachstum und die Stimmung der Verbraucher.
Auf der anderen Seite legten defensive Sektoren zu, da die Anleger nach sicheren Häfen am Aktienmarkt suchten. Versorgungs- und Immobilienaktien stiegen auf dem gesamten Kontinent, ebenso wie Aktien aus der Luft- und Raumfahrt und dem Verteidigungssektor, die in diesem Jahr aufgrund höherer Verteidigungsausgaben in ganz Europa bereits einen Aufschwung erlebt haben. Inmitten des Ausverkaufs erholten sich die britische BAE Systems und die deutsche Rheinmetall, die in diesem Jahr bereits kräftige Gewinne verbuchen konnten.
Die am schlechtesten abschneidenden Aktiensektoren
- Luxusgüter (LVMH -6%, Kering -11%, Pandora -14%)
- Banken (HSBC -8%, Standard Chartered -11%, Deutsche Bank -6,3%)
Aktiensektoren mit der besten Wertentwicklung
- Verteidigung (Rheinmetall +4%, BAE Systems +3%)
- Versorgungsunternehmen (RWE +2%, SSE +2%, E.ON +4%)
Potenziell verheerende Auswirkungen auf europäische Aktien
Michael Field, Chef-Aktienstratege bei Morningstar, sagte:
“Dass die asiatischen Länder viel härter getroffen wurden als Europa, ist für die hiesigen Unternehmen kein Trost. Ein Zollsatz von 20 % auf alle europäischen Waren ist für viele Branchen potenziell verheerend, wenn diese Zölle tatsächlich dauerhaft und festgeschrieben sind. Dies ist unwahrscheinlich, da die Behörden angedeutet haben, dass Verhandlungen möglich sind. Kurzfristige Störungen sind jedoch unvermeidlich, da die Zölle am 5. April in Kraft treten und den Regierungen keine Zeit bleibt, den Prozess zu stoppen.”
“Konsumgüter-, Gesundheits- und Industriesektoren werden zu den am stärksten von den neuen Maßnahmen betroffenen Sektoren gehören. Das Ausmaß haben wir noch nicht in unseren Cashflow-Prognosen und Fair Value-Schätzungen berücksichtigt.”
“Noch schlimmer könnte die Reaktion der EU und die wahrscheinliche Gegenreaktion der US-Regierung ausfallen. All das wird den Schaden für exportierende und importierende Unternehmen noch vergrößern. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob dieses Ereignis das Potenzial hat, den Welthandel neu zu gestalten, oder ob, wie von vielen vorhergesagt, eine Einigung erzielt werden kann.”
Die Staatsanleihen der Eurozone und des Vereinigten Königreichs zogen in einer Flucht in die Sicherheit an und drückten die Renditen von ihren zuletzt hohen Niveaus nach unten, und der Euro gewann gegenüber dem Dollar.
Der US-Dollar hat sich als einer der größten Verlierer des “Befreiungstages” erwiesen. Der Dollar-Index fiel am Donnerstag auf ein 6-Monats-Tief und verlor über 1,3%, da die Investoren die höheren Auswirkungen dieser Zölle auf das US-Wachstum einschätzen", sagte Daniela Sabin Hathorn, leitende Marktanalystin bei Capital.com.
Britische Aktien entwickeln sich besser, da Großbritannien von den härtesten Zöllen verschont bleibt
In London fielen die wichtigsten Börsenindizes des Vereinigten Königreichs, allerdings weniger stark als die in Europa und Asien, da das Vereinigte Königreich mit einem Zollsatz von 10 % belegt wurde, der niedriger ist als der der EU. Der britische Leitindex FTSE 100 fiel knapp 1,5 %.
Finanztitel und Logistik werden in ganz Europa abverkauft
Auf dem gesamten Kontinent führten die Finanzwerte die Verluste an: In Paris fielen Société Générale GLE und BNP Paribas BNP stark, ebenso wie UniCredit UCG in Italien, ABN Amro ABN in den Niederlanden und UBS UBSG in der Schweiz.
Mögliche Störungen der globalen Handelsdynamik durch US-Zölle schickten auch Frachtunternehmen auf Talfahrt. Der dänische Schifffahrtsriese AP Møller Mærsk MAERSK B verlor in Kopenhagen 8,6%. Hapag-Lloyd schließt knapp 8 % tiefer.
Zusätzliche Berichte von Jocelyn Jovene, Sara Silano, Robert Van Den Oever, Fernando Luque, Ollie Smith, Christopher Johnson, Johanna Englundh, Antje Schiffler.
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