Ein wichtiger Grund ist sicherlich, dass die meisten Fondssparer entweder gar nicht spezifisch in Schwellenländer investieren, oder die über globale Fonds bzw. Asienfonds tun. Mitverantwortlich dafür ist wohl auch, dass es keine so medienwirksam darzustellende Erfolgsstory wie China oder Indien zu vermarkten gibt.
Ärgerlich für deutsche Anleger ist zudem,
dass keiner der aktuell sechs mit fünf Sternen bewerteten Fonds in Deutschland erhältlich ist. Doch immerhin stehen noch fünf Produkte mit vier Sternen zur Verfügung.
Neben einem Mexiko-Länderfonds sind dies Fonds von Fortis, Gartmore, ISI aus Dänemark sowie Schroders. Der schwankungsärmste Vertreter in dieser Gruppe ist der Fortis Latin America. Die Standardabweichung über drei Jahre liegt mit 23,2% deutlich unter dem Kategoriedurchschnitt von 28,3%. Leider mangelt es jedoch an Konstanz bei den relativen Renditen. Auf Platzierungen im oberen Drittel der Kategorie in den Jahren 2001 und 2002 folgten Resultate im unteren Viertel im vergangenen Jahr und bislang in 2004.
Mehr Volatilität müssen die Anteilseigner des Gartmore Latin America ertragen können. Dies wurde ihnen in den vergangenen drei Jahren dadurch erleichtert, dass der Fonds mit 4,9% p.a. die beste Rendite der Kategorie abwarf. Damit übertraf Fondsmanager Chris Palmer den Index um beachtliche 5,5% jährlich. Palmer hat den in Lateinamerika wichtigen Telekomsektor untergewichtet, wettet dagegen auf Versorgerwerte und Finanzen, wie Petrobras und Bancolombia.
Latino aus Jütland
Der ISI Latin America Equities der dänischen Banktochter Sydinvest überzeugte in vier der fünf vergangenen Jahre durch Topergebnisse, allein 2001 wurden Index und Vergleichsgruppe verfehlt. Erfreulich ist auch die relativ niedrige Verwaltungsgebühr von 0,95%. Fondsmanager genehmigt sich im Gegensatz zu vielen Kollegen kein Kassenpolster. Er streut mit 55 Aktienpositionen etwas stärker als der Durchschnitt, seine Branchenaufteilung ist recht ausgewogen. Der Anteil an Nebenwerten ist mit insgesamt 54% hoch.
Der Schroder Latin American ist mit 43% mittleren und kleinen Aktien etwas vorsichtiger. Fondsmanager James Gotto, seit Anfang 2002 am Ruder, hat zwar nur eine recht durchschnittliche Performance hingelegt, aber bei gleichzeitig moderatem Risiko reicht das noch für vier Sterne. Trotzdem erscheinen die vorgenannten Fonds als interessantere Alternativen.
Fraglich ist, ob sich die relativ gute Börsenentwicklung Mexikos und Brasiliens - denn nur dort spielt in Lateinamerika momentan wirklich die Musik - sich weiter fortsetzen kann. Mexiko hat im Kampf um Absatzmärkte mit China bereits viel an Boden verloren. Und der erstaunlich wirtschaftsfreundliche Präsident Lula in Brasilien sieht sich immer mehr den sozialreformerischen Begehrlichkeiten seiner Stammwähler ausgesetzt. Angesichts der recht niedrigen Risikoprämien ist also Vorsicht angebracht.
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